Berichte
Juni 2009
Limescicerone auf dem Limesradweg unterwegs
Weshalb in die Ferne schweifen, wenn das Interessante so nah
liegt.
Der Limescicerone Herbert Kraus befuhr den Deutschen
Limes-Radweg auf dem Streckenabschnitt 13 von Gunzenhausen
nach Mönchsroth an der Rothach.
Der „Einstieg“ erfolgte am östlichen Burgstallrand, dort wo
ein Stein mit der Aufschrift Limes den Verlauf markiert.
Von hier „schneidet“ die ehemalige Grenze quer durch den
„Burgstall-Wald“ nach Westen. Dem Interessierten wird dort
viel geboten. Die Reste eines Kleinkastells, die renovierten
Grundmauern der Limestürme 14/4, 14/5 und 14/6, eine
Palisadenwand und mehrere informative Hinweistafeln. Der
Radler auf dem offiziellen Limesradweg findet allerdings
zwischen Frickenfelden und Gunzenhausen nur einen recht
unscheinbaren Hinweis auf diese geballten Zeugnisse der
Vergangenheit. Nach einem Blick in die offizielle UNESCO-Welterbekarte
Obergermanisch-Raetischer Limes in Bayern, die den Dt.
Limes-Radweg enthält, sind die historischen Schätze des
Burgstallwaldes dann doch zu finden.
Von Ost nach West führen Limes und Radweg durch die Stadt
Gunzenhausen zur Altmühl. Die Römer querten den Fluss durch
eine Furth nördlich der bestehenden Brücke. Am Rande des
heutigen Großparkplatzes erklärt eine Info-Tafel anschaulich
das damalige Geschehen. Der Fluss versteckt sich allerdings
hinter einer Wiese und einer Wand von Erlen und Weiden. Gern
würde sich der Radwanderer den Römer beim Durchqueren der „Alcmona“
am heutigen Flussufer vorstellen! Das Fahrrad rollt weiter
Richtung Unterwurmbach. Direkt auf dem ehemaligen Limes
verläuft der Weg bis zum Turm 13/51. Info-Tafel, Mauerreste,
Sitzgruppen und ein schöner Blick zurück nach Gunzenhausen
laden hier zur Rast ein. Der Radweg quert anschließend die B
466 Richtung Unterhambach und verläuft auf dem
Ortsverbindungsweg durch den lichten Kiefernwald. Kurz vor
der Unterhambacher Mühle öffnet sich die Landschaft zum
schönen Bachtälchen des Hambach hin. Hier führte die
„Teufelsmauer“ zwischen Raetia und Germania Magna ehemals
nach Westen.
Unterhambach empfängt den Radwanderer mit herrlicher
Blumenpracht in den Gärten. Das kleine Kirchlein und die
malerischen Häuser bieten so manches schöne Fotomotiv. Die
freundlichen Gemeindearbeiter geben bereitwillig Auskunft
über den Verlauf des Limes und den Standort des nächsten
Turmes. Tatsächlich liegen im Filchenharder Forst Reste des
Wachpostens 13/45 versteckt. Der Turm bot seinerzeit gute
Sicht entlang der Grenze bis ins Altmühltal, heute liegt er
isoliert von Wald umgeben.
Nur fünf Minuten entfernt kann der Besucher im „Mittlach“
Texte über den Limesdurchgang für den „Kleinen Grenzverkehr“
lesen. Hier kontrollierten römische Wachposten die
Passanten, die von Nord nach Süd oder umgekehrt durchgingen.
Leider sind die angekündigten Reste des Turmes 13/43 kaum zu
erkennen. Ein kurzer Anstieg und der Blick öffnet sich auf
die Flur von Klein- und Großlellenfeld. Die beiden Dörfer
liegen wie eine Einheit vor dem Betrachter. Die gotische
Kirche „Beatae Mariae Virginis“ mit dem markanten
Zwiebelturm ragt hervor.
Rekonstruktionen der Mauer- und Turmfundamente am
Dorfeingang von Kleinlellenfeld erinnern an die römische
Vergangenheit. Der Info-Point an gleicher Stelle gibt einen
interessanten Überblick über die örtliche Geschichte. Nach
einer rasanten Talfahrt zum Dennenloher See wird der Tourist
von einer Schar recht vertrauter Graugänse begrüßt.
Friedlich grasen sie neben einer Rekonstruktion der
Limesmauer, die 3 Meter hoch und 1 Meter dick, kraftvoll in
der schönen Landschaft steht.
Die lichten Kiefernwälder, der idyllische See und die
sanften Hügel der Landschaft strahlen Ruhe und Heiterkeit
aus. Nach kurzer Zeit wird Dennenlohe erreicht. Eine
herrliche Allee führt direkt zum Schloss mit seinem
beeindruckenden Park und dem barocken Gutshof. Wahrlich ein
Highlight am Limesradwanderweg. Kurze Zeit später, nach
beschaulicher Fahrt durch den Wald finden sich wiederholt
Zeugnisse der römischen Epoche am Wegesrand. Die gut
sichtbaren Reste eines Amphitheaters und die Mauern zweier
römischer Gebäude lassen die Bedeutung des Gebietes vor 1900
Jahren erahnen. Nicht mehr sichtbar, aber seinerzeit
dominierend, war das Kastell Dambach mit seiner
Zivilsiedlung im Bereich der Hammerschmiede und in der Nähe
des Kreutweihers.
Der Radweg führt nun weg vom Limes durch die Orte Dambach
und Ehingen Richtung Dühren. Die typisch fränkischen Dörfer
mit ihren Fachwerkbauten und der Blütenpracht in den
Vorgärten sind eine Augenweide. Der Hesselberg baut sich
mehr und mehr als imposante Erhebung aus der hügeligen
Landschaft auf. Nicht ohne Grund hatten die römischen
Besatzer damals diesen Berg in ihren Einflussbereich
übernommen, lässt sich doch das Land aus der Höhe bis in
weite Ferne überblicken. In Ehingen lohnt sich übrigens der
Besuch des privaten Heimatmuseums.
Der kleine Ort Dühren bietet dem Besucher einen zauberhaften
Blick hinaus ins Tal der Wörnitz nach Wittelshofen und
geradewegs zum ehemaligen Kastell Ruffenhofen. Der Platz vor
der kleinen Kirche lädt zur Rast ein. Der nahe Hesselberg
steht ruhig und mächtig da. Der Limes verläuft nach Auskunft
Einheimischer oben im Wald und dort gibt’s auch einen
Limesturm von dem noch Mauern zu sehen sind. Also das
Fahrrad nochmals umgedreht und hochgetreten. Tatsächlich
findet sich an der Kreuzung Richtung Grüb ein unscheinbarer
Hinweis auf den Turm. Die eingewachsenen Reste des
Limesturmes 13/24 entpuppen sich als sehr sehenswert!
Deutliche Hinweisschilder zum Auffinden und eine Info-Tafel
wären allerdings hilfreich.
Der Limesverlauf zwischen Dambacher Hammerschmiede, Ehingen,
Dühren, Untermichelbach und Weiltingen ist für den Touristen
nur mittels Limeskarte nachzuvollziehen. Im Gelände finden
sich nur wenige Hinweise. Von Gunzenhausen bis Dühren zieht
der Limes geradlinig von Ost nach West, nun wechselt er die
Richtung hinein in das weite Tal der Wörnitz nach Südwest.
Der Fluss hat viel Platz! Er darf mäandern. Bis
Wilburgstetten kann der Limesradwanderer dieses
ursprüngliche Tal genießen. Flussbegleitende Gehölze,
Seerosen und Feuchtwiesen bestimmen die Landschaft. Eine
Freude für jeden naturverbundenen Radler. Die malerischen
Dörfer Wittelshofen, Ruffenhofen, Weiltingen, Welchenholz,
Wilburgstetten bilden eine Einheit mit ihrer Wörnitz.
Das ehemalige Kastell Ruffenhofen ist ein muss für jeden
„Limesradler“. Der Blick vom Aussichtshügel auf das
Kastellgelände mit seiner anschaulichen Bepflanzung
verdeutlicht die Ausmaße und die Struktur der Garnison. Die
zahlreichen Infotafeln beantworten viele Fragen. Darüber
hinaus werden regelmäßig Führungen angeboten. Der
interessierte Tourist sollte außerdem das Limesmuseum in
Weiltingen nicht versäumen. Kastell und Museum ergänzen sich
wunderbar.
Die Limestrasse quert bei Weiltingen die Wörnitz und
verläuft bis Wilburgstetten am südlichen Talrand entlang.
Der Radweg bleibt am Nordufer bis zur Einmündung der Rotach.
Von dort erreicht der Wanderer nach wenigen Minuten den
idyllischen Ort Mönchsroth.
Das ehemalige Kloster Mönchsroth mit seiner romanischen
Kirche, den hohen Mauern und den alten Bäumen ist
sehenswert. Der „römisch“ interessierte Besucher findet am
südl. Dorfrand einen rekonstruierten Limesturm mit
Info-Tafeln. Der Etappenradfahrer kann im Ort in einer
gastfreundlichen Pension übernachten. Der nächste
Tagesabschnitt auf dem Limesradweg überschreitet die Grenze
nach Baden-Württemberg in Richtung Halheim, Rainau und
Aalen. Die geschilderte Strecke von Gunzenhausen bis
Mönchsroth ist rd. 70 Km lang und lässt sich einschließlich
Besichtigungen in 8 bis 10 Stunden bequem bewältigen.
