Berichte

Juni 2005

Wanderritt in Franken

Wanderritt in Franken vom 19. – 26. Juni 2005

Am Sonntag reisten wir mit Sunny und Olli 250 km nach Mönchsroth zum Hutzelhof. Die Zwei zierten sich nicht lange beim Einsteigen, so dass wir nach 3 Stunden Fahrt wie erwartet gegen Mittag bei Familie Bischoff ankamen. Den Fahrstress bauten die Jungs mit pausenloser Kabbelei ab und kamen daher, trotz der Hitze,  trocken aus dem Hänger. Die Pferde durften sich gleich im Sandpaddock die Hufe vertreten; wir bewegten uns auf dem Weg zum Italiener.

Zufällig passend zum Geburtstag von Frau Bischoff angereist, saßen wir dann mit den Gästen um den Kuchentisch und abends beim Grillen. Bevor die Pferdis ihre riesigen Boxen bezogen, durften sie noch auf die Koppel und wir genossen mit den anderen Geburtstagsbesuchern den lauen Abend im Garten.

Montags tüftelte uns Oma „Reiter“ – die nicht nur so heißt - eine kleine Tour für den Tag aus.


Mit der Karte 1:50 000 kamen wir allerdings nicht besonders gut zurecht, so dass wir schon zu Beginn mehrmals zum Ausgangspunkt zurückkehrte bis wir den richtigen Weg fanden. Da wir urlaubsfaul den Tag auch nicht schon um 7.00 Uhr beginnen wollten, kamen wir in unangenehme Mittagshitze und kämpften uns über steinige Wege. Beide Pferde haben zudem versehentlich morgens doppelte Kraftfutterration bekommen und waren anfangs buckelnderweise unterwegs.

Alle Abkürzungsversuche endeten im Nirgendwo, so dass wir tatsächlich die ganze eingezeichnete Strecke reiten, bzw. gehen mussten. Nach 4 ½  Stunden kamen wir mit Hitzeausschlag an den Beinen und ziemlich frustriert wieder am Hutzelhof an. Wenn wir für die vergleichbar kleine Strecke bereits 4 ½ Stunden brauchten – wie soll das dann die nächsten Tage bei teilweise 30 km funktionieren? Gott-sei-Dank hatten wir zu dieser Zeit Vollmond – Kartenlesen und den Weg finden wäre theoretisch also auch noch nach Anbruch der Dunkelheit möglich...... Um unseren Pferden Marscherleichterung zu verschaffen, brachten wir am Nachmittag bereits Gepäck in zwei der Unterkünfte. In Gerolfingen meldeten wir uns zur Sicherheit für den nächsten Tag zum Mittagessen an. Nach einem wunderbaren Abendmenü am Teich zeichnet uns Frau Reiter die günstigsten Touren in die Karten ein. Das Kartenmaterial hatte uns Familie Bischoff besorgt. 

Dienstag ritten wir Eingedenk der kommenden Hitze und der langen Strecke kurz nach 8.00 Uhr los. Frau Reiter zeigte uns noch den Weg in den Wald und Simona fand diesmal ohne Probleme und Wegeberatung vorbei an der Höllmühle, durch Wilburgstetten zur Neuölmühle und auf den Spuren des Limes durch den Weiltinger Forst.
Sehr schön war auch der Ort Weiltingen mit Kopfsteinpflaster, Brunnen am Marktplatz und vielen alten Fachwerkhäusern. Hier überquerten wir die Wörnitz und kamen über Wittelshofen gegen 11.30 Uhr zu unserem Mittagsrastort Gerolfingen. Herr Losert machte gleich zwei Boxen für uns frei. Die Pferde durften duschen und wir tranken im dazugehörigen Gasthof Apfelsaftschorle im Akkord.
Nach dem Essen machten wir uns mit dem Badezeug auf zum Gerolfinger Weiher und ließen unsere pikierten Pferde neben dem Schweinestall zurück.
An Ausruhen war für Sunny und Olli bei diesem Geruch, diesem Lärm und den vielen neuen schweinischen Eindrücken nicht zu denken, aber ein Weiterritt in der Hitze kam für uns nicht in Frage. Da einige Wolken aufzogen und wir Angst vor einem Gewitter hatten, ritten wir nach einem wunderbaren Bad um 15.45 Uhr wieder weiter. Die Wegstrecke war ziemlich schlecht, zumal durch die lange Trockenperiode auch die Mittelstreifen ausgedörrt und betonhart waren.
Wir müssen einen ziemlich fertigen Eindruck gemacht, denn die Besitzerin einer reich bestückten Gartenzwerglandschaft bot uns allen eine Tränke, bzw. Getränke an. Simona schämte sich gleich ihrer üblen Zwergengedanken. Nach Röckingen machten wir Rast im spärlichen Schatten des Birkenwäldchens. Die Wolken hatten sich wieder komplett verzogen.
Danach ging es gnadenlos durch den Wald Baudenhard nach Altentrüdingen. Eine neue erbaute Straße brachte uns vom eingezeichneten Weg ab, aber der Weg durch den Ort, vorbei am Reiterhof nach Obermögersheim war schnell gefunden. Alle Leute waren sofort hilfsbereit, wenn wir mal ein ratloses Gesicht aufsetzten und Simona mit zerfurchter Stirn auf die Karte schaute.
Die Strecke nach Obermögersheim ging über lauter Wiesenwege und machte richtig viel Spaß. Und dann wurden wir sogar mit einem Spruchband „Herzlich Willkommen“ über der Straße empfangen – das wäre doch nicht nötig gewesen.....
Bei Ulla und Fritz Kapp wurden wir vier gleich mit Wasser innerlich und äußerlich versorgt. Die Pferdchen kamen auf die Koppel und wir bekamen ein wunderbares reichhaltiges Abendessen – Cordon bleu, Kartoffelgratin, Salate und als Nachtisch noch ein Eis.
Lange saßen wir noch mit Ulla und Fritz (der erst 70-jährig mit dem Reiten begann) im Garten. Fritz wusste sehr viel über die Historie von Obermögersheim und die Martinskirche nebenan zu berichten. Auf dem Roundpen wurden sogar Ausgrabungen durchgeführt; der Hof steht wahrscheinlich auf einer früheren Burg, die vielleicht sogar mal Karl den Großen auf seinen Reisen beherbergt hat.
Nach einem Nachtspaziergang bei Vollmond auf historischem Grund gingen wir gegen 23.00 Uhr in unser schönes Zimmer. Um 4.00 Uhr morgens schreckte uns Klopfen aus dem Stall auf und wir schauten runter zu den Pferden. Der Täter war aber das hauseigene Pferd Chirac – er war bereits ausgeschlafen und vertrieb sich nur die Langeweile. 

Mittwoch standen wir dann um 6.30 etwas gerädert auf, nachdem die Nacht so rüde unterbrochen wurde. In der Kappschen Küche bekamen wir ein reichliches Frühstück und wurden von Fritz noch bezüglich der besten Wege nach Wald beraten.
Um 8.00 Uhr kam dort der Schmied für den Haflinger Maxi und Simona ließ gleich noch neue Nägel in Ollis Hufe einschlagen, da die Eisen bereits ziemlich gelitten hatten. Nach 9.00 Uhr schafften wir endlich den Abritt. Statt direkt durch den Ort zu gehen, hat uns Fritz einen Weg um Obermögersheim herum gezeigt. Zur großen Belustigung der Bauarbeiter, die uns einmal auf dem Querweg oberhalb und dann wieder auf dem Querweg unterhalb ihrer Baustelle vorbeiziehen sahen, kamen wir wieder da an, wo wir losgegangen sind. Der Ort war auf jeden Fall sehr nett und wir haben richtig viel davon gesehen. Nach diesen Anfangsproblemen fanden wir auch gleich über schöne Wiesenwege auf die Anhöhe des Rastberg mit Blick aufs geschichtsträchtige Dorf.
Der Ritt ging in Richtung Laufburg (hier stand wohl mal ein Schloss – aber wo?) und von dort aus nach Cronheim. Bei der Überquerung der Eisenbahnbrücke dort machten die Pferde große Augen. Durch den Wald ging die Reise weiter durch das nette Örtchen Unterhambach und Steinerbühl zu unserem Etappenziel Mooskorb (Ortsteil von Wald) zum Gestüt und Hotel Reiterhof Altmühlsee. Kurz vor 13.00 Uhr kamen wir dort an und wurden gleich von einer netten Mitarbeiterin im Stall in alles eingewiesen. Fritz kam fast zur gleichen Zeit mit uns an – er brachte uns netterweise unser Gepäck, so dass wir ohne große Packtaschen reiten konnten.
Die praktischen Putz- und Waschständer mit massiven Eisenrohren wurden meiner Nase und Stirn zum Verhängnis – ich wollte mal wieder mit dem Kopf durch..... oder wie war das? Eine fette Prellung auf Stirn und Nasenrücken und Kopfschmerzen haben mich den Rest des Urlaubs leider begleitet. Wahrlich kein reitgemäßer Unfall!!!!!
Wir bezogen unser Zimmer mit Balkon und Blick auf den Hof und harrten dort der Dinge, die nicht kamen. Unter einem Reiterhotel und einem Stall mit 50 Pferden hatten wir uns regen Reitbetrieb, Getümmel auf dem Hof, Reitstunden (vielleicht sogar eine Springstunde?) zum Zuschauen erhofft. Aber nix war es. Wir schoben die gähnende Leere im Hof auf die Mittagshitze und spazierten zum Altmühlsee und das Cafe „Seeblick“.
Aber auch der Abend brachte keine Reiter – sozusagen „tote Hose“ dort. Wir brachten die Pferde auf die Koppel und waren schwer enttäuscht. 

Den Donnerstag haben wir mit Pferdefütterung begonnen. Anscheinend erwacht das Reithotel nicht vor 8.00 Uhr und wir nahmen die Dinge daher selbst in die Hand. Heute erwartete uns nämlich wieder ein richtig langer Ritt. Nach einem ausgiebigen und guten Frühstück in der urigen Gaststube (so habe ich mir in meinen Mädchenträumen immer ein Reithotel vorgestellt) mit Blick auf die Halle (natürlich ohne Reiter) ritten wir um 8.30 Uhr los. Der Weg ging zunächst zurück nach Unterhambach und dann weiter Richtung Kleinlellenfeld.
Weiter ging es zwischen Kleinlellenfeld und Großlellenfeld durch (nein – ich lalle noch nicht!!!). Irgendwann endete der eingezeichnete Weg in einem Bauernhof – aber umkehren ist unsportlich! Wir durchquerten eine Schweinstall, öffneten das Hoftor und kamen wieder auf die Straße.
Auf abgemähten Wiesen galoppierten wir zum Dennenloher Stausee und legten dort im Schatten eine erste Pause ein. Olli lieferte bei dieser Gelegenheit den Zügel; verknotet ging es weiter um den Stausee herum zur Hammerschmiede. Der Weg vom Kieswerk ab war schwer zu finden – wir ritten nach Kompass, da es keine Übereinstimmung mit der Karte gab. Trotzdem erreichten wir die Schmiede und erbettelten dort Wasser für die Pferdis.
Von der Hammerschmiede ging es weiter zu Bischofsrohr. Hier kamen wir an einen genialen Picknickplatz – ein lauschiges Plätzchen mit Bänken und Tisch an einem See im Wald und genug Gras für die Pferde. Wir ließen beide Pferde laufen, setzten uns und machten Brotzeit.
Es war einfach himmlisch – 20 Minuten lang......
Dann beschloss Olli, dass genug geruht sei und brach ohne uns auf. Sunny nahm er natürlich mit. Simona brachte ihn wieder zurück, aber an eine ruhiges Mittagspäuschen war nicht mehr zu denken. Wir brachen also nach einer halben Stunde wieder auf – auf den Spuren den Limes! Die Wege waren teilweise römermäßig natürlich und grün bewachsen, teilweise modern geschottert. Je nachdem führten wir, oder ließen uns tragen. Leider mussten wir überwiegend laufen......
Über Untermichelbach (Ziel in Sicht) errreichten wir hechelnd und ziemlich erschöpft gegen 16.00 Uhr den Gasthof „Zum Hirschen“ in Obermichelbach. Wieder bekamen die Pferden zuerst das gute Nass von innen und außen und durften sich dann im kühlen Rundstall erholen.
Wir schafften es nach einem Radler gerade noch unter die Dusche und schliefen dann ein. Abends durften die Pferde auf eine schöne, große Koppel mit viel Gras; wir saßen alleine im Biergarten (der „Hirsch“ hat heute Ruhetag) und bekamen leckere Lasagne und Salat. Zuerst leistete uns der Hauskater Gesellschaft und dann auch noch die Wirtin.
Die schlechten Wege sind Ollis Eisen nicht gut bekommen; den morgigen Ritt werden sie aber noch überstehen. Sunnys eisenharte Barhufe hinten sehen dagegen noch ganz erträglich aus. Sunnys Wunde auf dem Rücken – ein zwar zugeheilter, aber noch haarloser Pferdebiss – hat den Ritt dank Wundpuder soweit ganz gut überstanden, ist aber inzwischen druckempfindlich.
Beide Pferde gehen sehr gut vorwärts und sind fit.
Nachts um 3.00 Uhr weckt Olli Simona auf. Er hat den ewigen Umlauf im Stall. Da der große Stall nur teilweise eingestreut ist, klackern die Eisen laut auf dem Betonboden. Einen Grund für die Unruhe können wir nicht erkennen Simona bindet ihn an, bleibt aber im Stall, falls es doch eine Kolik ist. 

Freitags füttere ich um 6.30 Uhr die Pferde. Simona nimmt noch eine Mütze voll Schlaf.
Wir brechen um 9.00 Uhr auf und reiten über Wiesenwege an Illenschwang vorbei. Dann kommen wir sprichwörtlich in den Wald und suchen uns mit dem Kompass den Weg durch Welchenholz hindurch nach Wilburgstetten. An der Wörnitzbrücke legen wir eine kurze Pause ein und reiten dann auf bekannten Wegen über Höllmühle und Höllweiher zurück zum Hutzelhof. Gegen 12.00 Uhr haben wir unsere Ziel erreicht.
Den Nachmittag verbringen wir nach Kaffee und Kuchen bei Bischoffs beim Shoppen und Schauen in Dinkelsbühl. Die Kauflust ist groß nach fast einer Woche Abstinenz.
Abends sitzen wir am hauseigenen Weiher und genießen Bohneneintopf und rote Grütze. Die ganze Familie Bischoff ist ausgeflogen zur Abiturfeier des ältesten Sohnes. Nachts weckte uns ein schweres und langes Gewitter – zum Glück erst nach unserem Rundritt.  

Samstagmorgen regnete es noch leicht. Wir blieben also noch ein wenig im Bett und verschoben unseren Ritt mit Oma Reiter nach unser wunderbares Frühstück.
Der Wiesenausritt zu Dritt machte richtig viel Spaß. Frau Reiter führte uns im Galopp über all die abgemähten Wiesen und Graswege rund um Mönchsroth. Wir hatten alle sehr viel Freude und genossen den Ritt ohne Blick in die Karte und auf ausgesucht guten Wegen. Bei den Pferden war keine Müdigkeit zu spüren – eher zuviel Fitness.
Vielen Dank nochmals an Frau Reiter und ihre Connemarastute! Am Nachmittag schauten wir uns Nördlingen an und den Abend verbrachten wir nochmals im netten Dinkelsbühl. 

Sonntags verabschiedeten wir uns nach dem Frühstück von Familie Bischoff und traten mit Sunny und Olli die Heimreise nach München an bevor es wieder zu heiß wurde.
Das gute Bischoffsche Heu wurde auf der Fahrt fast ganz verspeist – blieb also nicht so viel Zeit zum Streiten......

Susanne Staiger uns Simona Zerr
Starnberg