Berichte

Mai 2007

Reiturlaub Christi Himmelfahrt

Mittwoch, 16.Mai , 1. Tag: Anreise
Ungewöhnlich wenig Verspätung, eine wilde Pferdeherde und überraschend fürsorgliche Gastgeber

Da Tina noch arbeiten muss, haben wir die Abfahrt vom Stall für den Nachmittag geplant. Und beinahe pünktlich beginnen wir mit dem Verladen. Mein Traber Hucellus Junior findet Tinas nagelneuen Hänger gar nicht so toll wie alle anderen und weigert sich erst einmal einzusteigen. Aber immerhin bleibt er innerhalb der tolerablen 10 Minuten und ergibt sich schlussendlich seinem Schicksal. Tinas Warmblutwallach Monbijou ist dafür wie immer hoch anständig und marschiert sofort hinein. Und so rollen wir gegen 16:30 Uhr vom Hof, einem verlängerten Reitwochenende mit unseren beiden Jungs entgegen. Leider im Regen, aber morgen wird es besser. Ganz sicher. Unterwegs kreuzt noch eine ausgebrochene Pferdeherde unseren Weg, die Tina Gott sei dank aber früh genug sieht und die anderen Autofahrer warnen kann. Unbeschadet überqueren die fünf fremden Pferde die Straße und setzen ihren Weg im gestreckten Galopp fort. Wir informieren die Polizei, mehr können wir nicht tun, und ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir gut zwei Stunden später den Hutzelhof in Mönchsroth bei Dinkelsbühl.

Dort erwartet man uns schon und Andrea Bischof hilft uns gemeinsam mit ihrer Mutter, die Pferde in den geräumigen Außenboxen unter zu bringen und unsere Ausrüstung zu verstauen. Die Pferde sind nicht sonderlich aufgeregt und finden ihre Boxen wohl auch ganz nett. Und so können wir ebenfalls unsere Unterkunft für die nächsten 4 Tage beziehen. Auch unser Zimmer ist gemütlich, mit Doppelbett, Schrank, Tisch und Waschgelegenheit, sowie Dusche und WC. Zwischenzeitlich haben wir auch noch Roland Bischoff kennen gelernt und sind erleichtert und zufrieden, hier eine so nette und aufmerksame Gastgeberfamilie angetroffen zu haben. Um 19 Uhr gibt es Abendessen, und weil es erstens absolut lecker schmeckt , wir zweitens einen riesigen Hunger haben und wir uns drittens schönes Wetter wünschen, essen wir alles artig auf. Suppe, Curryhähnchen mit Reis und ein leckeres Rhabarberdessert.

Der Tag war lang und anstrengend und nach etwas Fernsehen und Lesen gehen wir schlafen, noch immer mit der Hoffnung auf schöneres Wetter…

Donnerstag, 17. Mai, 2.Tag
Viel Regen, kein Reiten, wir werden von einem Helmut verkohlt, aber dafür gutes Essen, gute Laune und ein paar Bierchen.

Leider hat unsere Tellerleerputz-Aktion ihre Wirkung verfehlt. Am nächsten Morgen regnet es. Und ein Rundumblick zeigt auch nirgends ein auch noch so kleines Fetzelchen blauen Himmel. Schönwetter-Reiter wollen wir zwar nicht sein, aber wir bleiben ja hier und müssen nicht zwingend ein angepeiltes Ziel erreichen. Außerdem machen wir hier Urlaub und wollen uns erholen. Also disponieren wir um. Zunächst laufen wir zum Limesturm ganz in der Nähe. Schon interessant, was die Römer da so alles hinterlassen haben. Danach laufen wir noch eine kleine Runde und dann zurück zum Hof. Etwa eine Stunde sind wir so gelaufen und haben festgestellt, mit dem Regenschirm ist das Wetter auszuhalten, so beschließen wir, gleich heute den schönen Ort Dinkelsbühl zu besichtigen. Dinkelsbühl bietet wirklich einiges. Die Stadt hat wohl konsequent umgesetzte Regelungen, was die Außengestaltung der Häuser angeht. Fast wie im Mittelalter kommt man sich vor, wenn man durch die Gassen schlendert. Wir besichtigen das Münster, besuchen ein 3-D-Museum, von dem wir allerdings mehr erwartet hätten und essen dann etwas in einem wirklich netten Kaffee.

Am Späten Nachmittag kehren wir zurück zum Hof und werden schon mit Kaffee und selbst gebackenem Kuchen erwartet. Für unsere Pferde hatten wir übrigens tags Koppel, nachts Stall gebucht (wir mussten leider früher schon negative Erfahrungen machen, so dass wir seither immer auf Nummer Sicher gehen) und die beiden haben auch wirklich eine Koppel für sich. Während wir Kaffee und Kuchen genießen, dürfen unsere Jungs sich auch den Rest des verregneten Tages mit Graß voll stopfen. Überhaupt ist hier die Pfedeunterbringung mal eine ECHTE Vollpension. Unsere Beiden werden von Familie Bischoff gemistet, bekommen Heu, mehrmals am Tag in kleinen Portionen. Und Man ist ganz erstaunt, dass wir selbst füttern, unser eigenes Futter dabei haben und unsere Pferde auch selbst auf die Koppel bringen. So wenig arbeit mit den Pferden hatten wir noch nie auswärts und wir genießen es wirklich.

Für den Abend wird eine Neunköpfige Wanderreittruppe erwartet und Andrea hat einen Grillabend geplant. Etwa gegen 17 Uhr kommt die Gruppe auch an. Ziemlich durchnässt sind die armen, denn es hat ja den ganzen Tag wirklich ohne Unterbrechung geregnet.

Bis die wilden Neune sich und ihre Habseeligkeiten verräumt haben, geht es zu, wie im Taubenschlag. Um nicht unnötig noch im Weg zu stehen, nehmen wir Rolands Einladung, ihn doch zum Limesturm zu begleiten gerne an. Seine Söhne sind bei ihrer Vatertagsfeierei dort gelandet und verlangen Nachschub in Sachen Bier. Wir fahren also mit, trinken jeder ein Bierchen, haben Spaß und amüsieren uns. Rolands „Kumpel“ Helmut trägt dazu nicht unerheblich bei. Schließlich aber wird Grillmeister Roland per Handy an seine Pflichten erinnert und wir fahren zurück. (Helmut verspricht auch, noch mal „kurz“ vorbei zu schauen. Beim Stichwort Grillabend hat er ganz glänzende Augen bekommen).

Die anderen Reiter sind trocken gelegt und aufgewärmt und gut drauf waren sie ohnehin die ganze Zeit, der Abend verspricht also lustig und lang zu werden. Des Wetters wegen bekommen wir unser Essen im trockenen Esszimmer und Andrea tischt auf! Unmengen von Salaten, Kartoffeln, Brot, …und natürlich Berge von Würsteln und Steaks. Aber irgendwann ist auch der letzte satt, auch wenn es noch so lecker schmeckt. Wir sitzen noch lange beisammen und unterhalten uns. Auch „Kumpel Helmut“ hat her gefunden und sorgt für weitere Lacher.

Aber da wir ja morgen reiten wollen (Das Wetter wird bestimmt gut!), trennen wir uns irgendwann alle und legen uns schlafen. Immer noch ganz genudelt vom vielen Essen…

Freitag, 18.Mai, 3. Tag
Kein Regen, viel reiten, immer noch gutes Essen und eine wahrhaft heiße Sonne

Wir wachen auf und die ersten Sonnenstrahlen kämpfen sich gerade durch den Morgennebel. Über Nacht haben sich die letzten Regenwolken verzogen und es scheint ein wunderschöner Tag zu werden. Wir Frühstücken ausgiebig, wie auch schon gestern, und lassen der Wanderreitgruppe den Vortritt. Schließlich haben die Neun heute wieder eine Tagesetappe zu bewältigen. Als sie vom Hof reiten, machen auch wir uns daran, unsere Pferde zu putzen und zu satteln.

Roland hat uns Farbkopien einer topographischen Karte gemacht uns so können wir uns mit Textmarker eine Strecke vorab anzeichnen. Die Farbkopien gehören übrigens ebenfalls zu den vielen kleinen Details, die den Urlaub hier von anderen so unterscheiden. Wir reiten von Mönchsroth über Gaxhard, Grobenhof, Dürrenstetten, Holzapfelshof, Hohenschwärz, St.Ulrich, Winnetten, wieder zurück nach Mönchsroth. Und da wir die Strecke nach Karte reiten müssen und uns überhaupt nicht auskennen, legen wir die Meiste Strecke im Schritt zurück. Insgesamt ist die Strecke schön, nur teilweise sind uns die asphaltierten Abschnitte etwas zu lang. Dennoch genießen wir den Ritt, auch wenn manche Wege verschwunden sind, die auf der Karte noch eingezeichnet sind und wir immer wieder Alternativwege auskundschaften müssen. Schön ist allerdings, dass uns auf der gesamten Strecke weder Radfahrer noch Wanderer in Massen begegnen, wie wir es sonst so erleben. Gänzlich unbehelligt legen wir unseren Weg zurück. In Mönchsroth angekommen, erwarten uns schon wieder Kaffee und Kuchen. Unsere Pferde dürfen nach einer kleinen Dusche wieder auf ihre Privatkoppel und wir laben uns am Nussstrudel. Diesmal sitzen wir draußen am Teich, denn inzwischen ist aus der zaghaften Morgensonne eine ausgewachsene und sehr heiße Sommersonne geworden. Abends gehen wir dann In Dinkelsbühl essen. Ein Italienisches Ristorante haben wir uns ausgesucht und unsere Wahl war gold richtig! Der Tagesritt und die Hitze am Nachmittag haben uns aber doch ziemlich geschafft. So fahren wir so gegen 21:30 Uhr wieder auf den Hof, holen die Pferde von der Koppel, die übrigens kein bisschen geschafft sind, und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Samstag, 19.Mai, 4. Tag
Wieder viel Reiten und weiterhin Sonne. Und die Erkenntnis, dass auf einen Menschen in extremen Fällen bis zu 3,33 periodisch Pferde kommen können…

Heute Morgen wachen wir viel später als sonst auf. Nach dem Pferdefüttern gibt es wie immer ein sehr reichhaltiges und ausgiebiges Frühstück. Und dann machen wir uns auf zu unserer heutigen Tour. Andreas Mutter Heidi empfiehlt uns, bei dem schönen Wetter doch über die Tannhäuser Höhe zu reiten, der Aussicht wegen. Und das Tun wir dann auch. Unsere heutige Strecke ist: Mönchsroth, Wittenbach, Burgstallhof, Tannhausen, Sederndorf, Dambach, Mönchsroth. Diese Strecke ist wirklich schön zu reiten, mit vielen Wiesenwegen, einigen Waldstücken und, wenn man sich schön rechts hält, einer tollen Aussicht von der Tannhäuser Höhe. Der Blick nach Unterbronnen ( 90 menschlich Einwohner, 300 equine Einwohner !!) lässt ein Wild-West-Feelig aufkommen, das einmalig ist. Unterwegs machen wir eine kurze pause. Lassen die Pferde grasen und trinken unser mitgebrachtes Wasser aus den Packtaschen. Heute ist es so heiß, dass das auch wirklich notwendig ist. Am Nachmittag, auf dem Hutzelhof wieder heil angekommen, lassen wir uns wieder Kaffee und Kuchen schmecken. Unsere Pferde mähen weiter munter die Wiese, und nach einer kalten Dusche fühlen wir uns fit für den Abend. Wir gehen noch einmal auswärts essen, genauso gut wie am Vortag und die Warme Abendluft lässt einem keine andere Wahl, als draußen zu sitzen, bis es dämmert. Spät holen wir heute die Pferde in den Stall. Noch etwas Fernsehen und dann ins Bett.

Sonntag, 20.Mai, Letzter Tag
Ein leider kurzer Ritt, kein ganz einfacher Abschied und der feste Voratz: Wir kommen wieder!

…und schon ist das Wochenende um und es heißt Abschied nehmen. Zuvor jedoch satteln wir noch ein letztes Mal unsere Pferde und rechen zu einer kleinen Runde durch den Wald auf. In etwa 1,5 Stunden reiten wir, mehr oder weniger kreuz und quer durch den Wald, kommen noch einmal an Unterbronnen, dem Pferdedorf, vorbei und wurschteln uns dann, wieder kreuz und quer, zurück nach Mönchsroth. Da wir ohnehin auf der Karte unseren Standort nicht wieder finden, reiten wir nach Auge und Gefühl und können so auch das Tempo etwas anziehen. Unsere Pferde sind frisch und munter und traben freudig vorwärts.

Irgendwann ist auch der schönste Ritt vorbei und wir parken ein letztes Mal unsere beiden auf der Koppel. Wir packen unsere Sachen zusammen, beladen Anhänger und Auto. Vor dem Verladen bezahlen wir und verabschieden uns von Familie Bischoff.

Das Verladen klappt diesmal schneller und so fahren wir ca. um 13:30 Uhr nach Hause.

Die Zeit auf dem Hutzelhof war sehr schön, sehr erholsam und Reiter und Pferde fühlten sich rund um wohl. Und ich bin sicher, wir waren nicht das letzte Mal dort!

Julia Väth und Tina Kirsch Hucellus jnr. und Monbijou